Osteopathie bei Long-/Post-Covid-Syndrom und nach überstandener Covid-Infektion

Eintrittspforten des Coronavirus

Die erste Variante des Coroavirus, SARS-CoV-1 benutzte als Eingangspforte in die menschlichen Zellen sogenannte ACE2-Rezeptoren. ACE2-Rezeptoren konnten in nahezu allen Organen und Geweben des menschlichen Körpers nachgewiesen werden. Sie sitzen u.a. im Gehirn, im Herzen, in den Gefäßen, in der Lunge, im Magen-Darm-Trakt, in den Nieren, in der Leber. Die neue Variante des Coronavirus, SARS-CoV-2 nutzt zusätzlich eine zweite Andockstelle, die sogenannten Neuropilin-1-Rezeptoren. Da es zwei Rezeptoren nutzt, könnte dies eine Erklärung für die deutlich größere Infektiösität des SARS-CoV-2 Virus sein. Neuropilin-1-Rezeptoren findet man in mehreren menschlichen Geweben einschließlich der oberen Atemwege, Blutgefäße und Nervenzellen. Eine bsonders hohe Dichte an Neuropilin-1-Rezeptoren kommt in der Nase, im sogenannten Riechepithel vor, was erklären würde, warum es nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 so häufig zu Riechstörungen kommt. Neben Geruchs- und Geschmacksverlust, Husten, Fieber, Schnupfen können Halsschmerzen, Atemnot, Lungenentzündung, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetittlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Bindehautentzündung, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Teilnahmslosigkeit (Apathie) oder Bewusstseinsstörungen auftreten.

Quelle: https://www.lungenaerzte-im-netz.de

 

Post-Covid-Syndrom / Long-Covid-Syndrom

Post- oder Long-Covid-Patienten sind von einer Covid-19-Infektion mit leichtem oder schwerem Verlauf genesen und leiden nach 4 bzw. 12 Wochen nach Symptombeginn immer noch unter gesundheitlichen Beschwerden, wie körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen, z.B.:

  • "Geistiger Nebel"
  • Konzentrationsstörungen, die das Kurz- und/oder Langzeitgedächtnis betreffen
  • Wortfindungsstörungen
  • Störungen des Herz-Kreislaufsystems, wie erhöhter Blutdruck, Tachykardien
  • Lungenbeschwerden, wie Atemnot, Husten, Asthma
  • Exteme Müdigkeit und Erschöpfungszustände (Fatigue Syndrom)
  • Unüberwindbarkeit der Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL)
  • Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns
  • Diverse Schmerzen, z.B. Kopf-, Brust-, Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Überkeit, Durchfall
  • Schlafstörungen
  • Angstzustände und Depressionen

 

Wie können Patienten, die eine COVID-19-Infektion überstanden haben und seitdem noch immer gesundheitlich angeschlagen sind oder ein Post- oder Long-Covid-Syndrom haben mit Osteopathie unterstützt werden?

Im Moment liegen noch keine wissenschaftlichen Forschungsergebnisse vor, inwieweit eine osteopathische Behandlung Einfluss auf die Symptome von Long-/Post-Covid hat. Es gibt Forschungsprojekte, deren Ziel es ist, Daten darüber zu sammeln, wie Patient*innen mit lang anhaltenden Covid-19-Symptomen auf eine osteopathische Behandlung reagieren und welche Rolle die Osteopathie in der medizinischen Versorgung von Long-/Post-Covid-Patienten spielen könnte.

Die Osteopathen in unserer Praxis suchen nach Spannungen im Gewebe und in Organen, nach Anheftungen und Verklebungen, nach Störungen der Funktion, nach knöchernen Blockaden im gesamten Körper. In der Osteopathie bedeutet eine eingeschränkte Beweglichkeit auch eine eingeschränkte Durchblutung und eine eingeschränkte Funktion des Organs.

 

Mögliche Ziele einer osteopathischen Behandlung bei Post-/Long-Covid-Syndromen:

  • Lösen von blockierten Gelenken, z.B. Rippen- und Wirbelgelenken, um z.B. die Beweglichkeit des Brustkorbs zu verbessern und damit eine gute Voraussetzung für die Lungenfunktion zu schaffen
  • Lösen von Verklebungen und Anheftungen der Organe, um z.B. die Gleitfähigkeit von Lungenlappen und Lunge zu Brustkorb und Rippen wiederherzustellen oder zu verbessern
  • Lösen von Verklebungen und Anheftungen im Schädel, sowohl an knöchernen wie auch faszialen Strukturen. Bestimmte Gehirnareale sind unter anderem für die Atemtiefe und Atemfrequenz, für die Regulation des Herz-Kreilaufsystems, für die Verarbeitung von Emotionen und den Geruch zuständig
  • Verbesserung der Lymphzirkulation (Lymphbahnen sind die Transportwege des Immunsystems)
  • Verbesserung der Mikrozirkulation im Blut (kleine Arterien und Venen versorgen das Gewebe mit Energie und Nährstoffen und transportieren Stoffwechselüberreste ab)
  • Aktivierung des Nervus Vagus, der fast alle innneren Organe wie Herz, Lunge und Magen-Darm-Trakt innerviert und einen starken Einfluss auf das Immunsystem hat

Nach osteopathischen Behandlungen haben uns viele Patienten subjektiv berichtet, dass sie sich wieder fitter fühlen, besser atmen können und auch wieder riechen oder schmecken können.

Diese Aufzählungen sind Beispiele und bedeuten kein Heilversprechen.